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Aktuelles & News 29.07.2013 – Aktuelle Beschaffungsprojekte für polizeiliche IT

29. Juli 2013 | Von | Kategorie: POLIZEI UND IT

In den Beschaffungsstellen, die zuständig sind für Software und Informationssysteme von Polizeibehörden, scheint sich ein Kulturwandel zu vollziehen. Während es jahrelang üblich war, selbst große Informationssysteme für ein Bundesland oder eine ganze Bundesbehörde freihändig und ohne den an sich vorgeschriebenen Wettbewerb zu vergeben, besinnt man sich jetzt anscheinend wieder vermehrt auf die Regularien des Vergaberechts.

Besonders interessant sind zwei Auftragsbekanntmachungen aus Hamburg, denn sie betreffen Brandenburg und andere Länder, die Mitglied in einer Crime-, ComVor-, POLAS- oder sonstigen ‚IPCC‘-Entwicklungs- und Pflegegemeinschaft sind, sowie die Ankündigung für den beabsichtigten Lieferauftrag für PIAV-Operativ-Zentral für das Bundeskriminalamt:

Polizei Hamburg: Recherchetool sowie Adaption einer graphischen Auswertesoftware (Visualisierungstool) für Crime

Am 3. Juli machte die zentrale Vergabestelle bei der Polizei Hamburg ihre Absicht bekannt, einen Dienstleistungsvertrag zu vergeben über die „Entwicklung eines Recherchetools sowie die Adaption einer graphischen Auswertesoftware für die visualisierte Analyse von vernetzten Daten“. Diese Client-Software sollte zugreifen auf ein „polizeiliches Quellsystem auf Basis einer Oracle-Datenbank mit generischem Datenmodell“, … welches „Daten in Form von definierten Objekten und Beziehungen zwischen je 2 Objekten“ verwaltet. Wie unschwer zu erkennen ist, und später auch von der Vergabestelle bestätigt wurde, handelt es sich beim Quellsystem um Crime. Die Fertigstellung dieses Recherchetools und der Visualisierungssoftware sollte in mehreren Stufen geschehen und bis zum Jahresende 2015 abgeschlossen sein.

Mehrere Interessenten reichten in den folgenden Tagen eine Reihe von Fragen bei der Vergabestelle ein. Sie betrafen teilweise formelle Kriterien, sowie fachlich technische Fragen. Die Vergabestelle kam daraufhin zu dem Schluss, dass die Inhalte ihres beabsichtigten Auftrages „nicht hinreichend genug beschrieben“ waren und hob das Vergabeverfahren in Gänze auf. Eine erneute Ausschreibung werde zu einem späteren Zeitpunkt angestrebt.

Dataport Hamburg: Rund 75 Mannjahre für die Pflege und Fortentwicklung von ‚vernetzten Verfahren‘ der IPCC-Gemeinschaft in den nächsten drei Jahren

Dataport Hamburg machte am 20. Juli die geplante Vergabe eines Dienstleistungsauftrages bekannt, der wie folgt beschrieben ist:

„Mit Beginn des Jahres 2013 ist die Geschäftsführung / Gesamtkoordination der IT-Koperation der Entwicklungs- und Pflegegemeinschaft im Bereich polizeilicher Anwendungsentwicklung „INPOL Land POLAS Competence Center“ (IPCC) vom Landespolizeipräsidium beim Hessischen Ministerium des Innern und für Sport (HMdIS) auf die Polizei der Freien und Hansestadt Hamburg übergegangen. Mit dem Wechsel der Geschäftsführung / Gesamtkoordination nach Hamburg beabsichtigt Dataport, sich als Full-Service-Provider für die Polizei mit Leistungen über die Entwicklung, Pflege und den Betrieb von IT-Verfahren zu positionieren.

In diesem Kontext übernimmt Dataport Leistungen der Pflege und Fortentwicklung einer komplexen Umgebung miteinander vernetzter Verfahren im Umfeld polizeilicher Auskunftssysteme, des Erkennungsdienstes, der Fallbearbeitungs- und Ermittlungssysteme sowie der Lagebildanwendungen und der Sicherheitsüberprüfungen.
Hierzu werden Dienstleistungen für die Unterstützung bei

  • Analyse, Beratung, Konzeption, Systemarchitektur, Entwicklung und Projektmanagement, sowie
  • Anforderungsmanagement, Konfigurationsmanagement, Testmanagement, Einführungsunterstützung und Veränderungsmanagement benötigt.

Dieses Beschaffungsvorhaben soll eine insgesamt dreijährige Vertragslaufzeit haben und aus zwei Losen bestehen mit einem geschätzten Umfang

  • für Los 1 von 9.000 Personentagen und
  • für Los 2 von 6.000 Personentagen

Umgerechnet handelt es sich dabei um rund 75 Personen-Mannjahre.

BKA: Vorabinformation für einen Lieferauftrag für PIAV-Operativ-Zentral

Das Beschaffungsamt des Bundesministerium des Innern als die zuständige Vergabestelle für das Bundeskriminalamt informiert am 02.07.2013 über den geplanten Lieferauftrag für PIAV-Operativ-Zentral.

PIAV, der polizeiliche Informations- und Analyseverbund, wird dort beschrieben als ein komplexes, zukunftsweisendes Verbundsystem auf der Grundlage eines einheitlichen technischen Austauschstandards (XPolizei), welches künftig die Einmalerfassung und Mehrfachnutzung bei hoher Datenqualität gewährleisten, phänomenübergreifende Abfrage- und Recherchemöglichkeiten bieten und die Aussagekraft der Auswerteergebnisse optimieren solle.

Mit der Einrichtung von PIAV sollen die verbundrelevanten Daten aus den Systemen der Bundesländer über eine XPolizei-konforme Schnittstelle automatisiert an PIAV-Operativ Zentral angeliefert werden. Auch alle weiteren Kommunikationsformen, wie z.B. Abfragen und Recherchen mit PIAV-Operativ Zentral sollen über die XPolzei-konforme Schnttstelle erfolgen, so dass es sich bei PIAV-Operativ Zentral um ein oberflächenloses Verbundsystem handeln werde.

Die Realiserung sei in mehreren Stufen vorgesehen, wobei der Phänomenbereich Waffen- und Sprengstoffkriminalität in einer ersten Stufe umgesetzt und bis 2014 abgeschlossen sein soll. In den folgenden Stufen sollen dann weitere Deliktsbereiche nach PIAV überführt werden.

Für die Umsetzung von PIAV-Operativ Zentral sei

„der Erwerb einer Standard-Software vorgesehen, die sich bereits in einem vergleichbaren Umfeld im Einsatz befindet und die hinsichtlich der speziellen Anforderungen an PIAV anzupassen ist.“

Diese Anforderung dürfte die Zahl der in Frage kommenden Lieferanten nicht gerade ins Uferlose schießen lassen …

Dienstleistungsauftag für das BKA mit einem Volumen von 51 Mio Euro

Bereits im Februar 2012 hatte das Beschaffungsamt des BMI den Zuschlag erteilt für die „Beschaffung von IT-Dienstleistungen, welche im Rahmen von IT-(Entwicklungs-)Projekten und dem IT-Betrieb des Bundeskriminalamts erforderlich sind“. Im Fokus stehen dabei, wie es in der Vergabebekanntmachung heißt, „Leistungen zur (Weiter-)Entwicklung und dem Betrieb von im BKA hoheitlich betriebenen (Groß-)Verfahren wie INPOL, NS-SIS, der Anti-Terror-Datei und weiterer Systeme und Verfahren“, welche „mit Hilfe externer Kräfte (weiter-)entwickelt und betrieben werden“ müssen.

  • Das erste Los, die IT-Dienstleistungen mit dem Schwerpunkt ‚Entwicklung‘ mit einem Volumen von 26,9 Mio Euro ging an die CSC Deutschland Solutions GmbH,
  • das zweite, die IT-DIenstleistungen mit dem Schwerpunkt ‚Test‘ mit einem Volumen von 24,1 Mio Euro an die Steria Mummert Consulting AG.

CSC Deutschland Solutions GmbH gehört zur amerikanischen Computer Sciences Corporation mit dem Sitz in Falls Church, Virginia, die Steria Mummert Consulting AG ist eine Tochtergesellschaft der französischen Steria-Gruppe.

[aktualisiert am 30.07.2013 um 5.20]
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