Polizei NRW - Nach 'Silvester in Köln'

Vorgangsbearbeitung der Polizei: Wie Strafanzeigen nach ‚Silvester in Köln‘ gezählt werden

10. Januar 2016 | Von | Kategorie: IT-SYSTEME UND -PROJEKTE, RSCASE UND DERIVATE

Die Zahl der Strafanzeigen nach den Ereignissen von Köln lag am Freitag abend bei 170. Am gestrigen Samstag waren es dann schon 379. Für die Ermittlung und Aufklärung ist eine Ermittlungsgruppe „Neujahr“ zuständig, die „aus über 100 erfahrenen Kriminalbeamtinnen und Kriminalbeamten besteht“ [1].
Die ‚Welt‘ hat nach dem Grund der starken Zunahme gefragt. Viele Strafanzeigen seien bei anderen Dienststellen erstattet worden und könnten erst jetzt durch die personell verstärkte Ermittlungsgruppe abgearbeitet werden, lautete die Antwort der Polizei [2].

Strafanzeige aufnehmen – eine Aufgabe polizeilicher Vorgangsbearbeitungssysteme

Da stellt man sich die Frage nach der informationstechnischen Ausstattung der Polizei. Bisher waren wir davon ausgegangen, dass Strafanzeigen auf jeder Polizeidienststelle im landeseigenen Vorgangsbearbeitungssystem (VBS), also elektronisch, erfasst werden. Zumindest alle Strafanzeigen, die bei irgendeiner Polizeidienststelle in NRW aufgenommen wurden, müssten also in diesem System gespeichert sein. Es sollte dann möglich sein, quasi auf Knopfdruck von diesem System zu erfahren, wie viele Strafanzeigen zu einem Tatzeitraum (Silvesternacht) und einem Ereignisort (Köln Hauptbahnhof) vorliegen. Zumindest ist zu hoffen, dass das VBS in NRW solche simplen Abfragen beantworten kann. Wenn ja, wäre der Zuwachs an Strafanzeigen, die der Ermittlungsgruppe inzwischen bekannt sind, nur damit zu erklären, dass diese Anzeigen in anderen Bundesländern bzw. bei der Bundespolizei aufgenommen wurden.

Kein gemeinsamer Datenpool aller Polizeibehörden, um zeitnah wichtige Ereignisse zu speichern und auszutauschen

Was auf die in der Öffentlichkeit kaum bewusste Tatsache hinweist, dass jede Landes- und Bundespolizeibehörde ihr eigenes VBS hegt und pflegt. Es gibt auch keinen gemeinsamen Informationspool aller Landes- und Polizeibehörden, in dem zeitnah (sic!) eingestellt werden kann, wann, wo, was passiert ist. Öffentlichkeit und Medien werden also auch in Zukunft darauf warten müssen, ob und wann eine Ermittlungsgruppe ausreichend verstärkt worden ist, um überhaupt erst einmal Strafanzeigen bzw. Ereignismeldungen zusammen zu tragen.

Bei der Geschwindigkeit, mit der bisher gemeinsam genutzte Informationssysteme in den Polizeibehörden von Bund und Ländern konzipiert, beauftragt, entwickelt und in Betrieb genommen wurden, ist es nicht verfehlt, den Wirkbetrieb für ein solches System für das Jahr 2030 oder noch später zu erwarten. PIAV, der polizeiliche Informations- und Analyseverbund liefert für das Schneckentempo polizeilicher IT-Fortenwicklung ein fortdauerndes, trauriges Anschauungsbeispiel.

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Quellen zu diesem Beitrag

[1]   POL-K: 160109-3-K Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof – Aktueller Ermittlungsstand, 09.01.2016, 16:32, Polizei Köln
http://www.presseportal.de/print/3220633-print.html?type=polizei

[2]   So erklärt die Polizei 200 neue Strafanzeigen, 09.01.2016, Die Welt
http://www.welt.de/politik/deutschland/article150811301/So-erklaert-die-Polizei-200-neue-Strafanzeigen.html

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