US Army richtet Quarantänestation für Heimkehrer aus Ebola-Krisengebieten mitten in Deutschland ein

8. Dezember 2014 | Von | Kategorie: BUND UND LÄNDER

Telepolis informiert heute in einem ausführlichen Bericht darüber (Ebola Roundup), dass die US Army sämtliche Rückkehrer ihres Hilfskorps aus den Ebola-Krisengebieten Westafrikas über ihr Hauptquartier in der Nähe von Ramstein zurückbringt. Wer bereits Anzeichen einer Infektion zeigt, wird sofort nach der Landung in das US-Militärhospital in Landstuhl gebracht. Alle übrigen Rückkehrer, das sind Angehörige des militärischen Hilfskorps, Piloten, Flugbegleiter und sonstige Hilfskräfte werden für 21 Tage in den ‚Smiths Baracks‘ in Baumholder (Rheinland-Pfalz) isoliert. Die Unterbringung dort gilt als suboptimal, weil der Ort und die Kaserne vielfach miteinander verzahnt sind und der Quarantänebereich nur notdürftig durch einen Zaun von den übrigen Einrichtungen getrennt ist.

Ein Gutachten von Prof. Kekulé vom Institut für Biologische Sicherheitsforschung, erstellt im Auftrag der Schutzkommission beim Bundesministerium des Innern zeigt auf, dass es bei gleichzeitigem Auftreten von mehreren Ebola-Fällen in Deutschland zu „erheblichen Versorgungsengpässen“ „kommen könnte“: Als „kapazitätsbegrenzende Faktoren“ wurden ermittelt [Auswahl]:

  • Geschultes Personal ist an den sieben Behandlungszentren nicht in ausreichender Zahl verfügbar.
  • Vorhandene Sonderisolierstationen werden großteils für andere Zwecke verwendet.
  • Die vorhandenen (12) Infektions-Rettungswägen reichen nicht aus, um eine größere Anzahl von Infizierten von einem Ort in geeignete Behandlungszentren zu bringen.
  • Bei einer angenommenen Zahl von 31 Ebola-Fällen ist mit 1.000 Quarantänen und 20.000 Nachverfolgungen von Kontaktpersonen zu rechnen, was weder logistisch noch personell leistbar ist.

Die Studie weist auf mögliche „erhebliche gesellschaftliche Kollateralschäden“ hin:

  • Mitarbeiter von Polizei und Rettungskräften sähen sich möglicherweise selbst gefährdet, was zur nicht-optimalen Sicherung bzw. Versorgung erkrankter oder gefährdeter Personen führen könnte.
  • Das (tatsächliche oder vermutete) Auftreten von Ebola unter Aylbewerbern in Deutschland kann soziale Spannungen hervorrufen.
  • Antiepidemische Maßnahmen bei (auch unbegründeten) Verdachtsfällen könnten wirtschaftliche Schäden verursachen (z.B. zeitweise Schließung von Fabriken oder Behörden, Quarantäne von Arbeitskräften.“

Die Studie wurde übrigens bereits vor acht Wochen, genau gesagt am 13.10.2014, vorgelegt. Was die Schutzkommission bzw. das BMI inzwischen getan hat, um die dringenden Empfehlungen zur Risikosenkung auf ein „niedrigstes praktikables Maß“ zu reduzieren, ist unbekannt. Durch die erst danach bekannt gewordene Entscheidung der US Army für die Errichtung ihrer „Quarantänestation“ in Baumholder ist allerdings das Gefährdungspotenzial für Deutschland ganz erheblich gestiegen. Von Kommentaren oder Reaktionen der Bundesregierung auf die Entscheidung des ‚amerikanischen Partners‘ ist bisher nichts bekannt.

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