Polygon-Fachanwendungen

8. Mai 2013 | Von | Kategorie: POLYGON TECHNOLOGIE UND PRODUKTE

In den vergangenen Jahren stand der Auf- bzw. Ausbau von Vorgangsbearbeitungs- oder so genannten „Falbearbeitungssystemen“ bei den Polizeibehörden im Bund und in den Ländern im Vordergrund. Diese Anwendungen folgen der 80:20-Regel, d.h. sie bieten im Wesentlichen solche Funktionen, die von 80 Prozent der Anwender bzw. in 80 Prozent der Geschäftsvorfälle benötigt werden.
Das ist Pech für die 20 Prozent von Anwendern oder Anforderungen, die durch diese Systeme nicht abgedeckt werden.
Es sind jedoch keinesfalls „exotische“ oder nur ab und an vorkommende Anforderungen, um die es hier geht: Sondern Anwender-Gruppen in der Kriminalpolizei, die durchaus jeweils mehrere hundert Beamte umfassen können, die jedoch spezifische Aufgaben haben und dafür die passenden Werkzeuge brauchen:
Dazu gehören z.B. die (einige hundert) Kriminaltechniker eines Landes, die ihre Spurensicherungsberichte nicht einfach als Textdatei schreiben wollen, sondern Spuren gleichzeitig im kriminaltechnischen Informationssystem erfassen und daraus einen Spurensicherungsbericht in der vorgeschriebenen Form erzeugen möchten.
Oder die vergleichbar große Gruppe der Mitarbeiter im Staatsschutz, die einschlägige relevante Straftaten nicht nur aufzunehmen und zu ermitteln haben, sondern auch der Meldepflicht nachkommen müssen.
Oder szenekundige Beamte, die für die polizeiliche Betreuung von Fußball-Hooligans zuständig sind und die relevanten Informationen über ihre Klientel einmal erfassen und ab da bei Bedarf auf Knopfdruck zur Verfügung haben möchten und die Zusammenhänge zwischen Gruppierungen oder Einzelpersonen erkennen möchten.

Die Funktionen der polizeilichen Breitenanwendungen (Vorgangs- und Fallbearbeitung) reichen für solche Fachanforderungen nicht aus: Mal fehlt die fachliche Ausprägung, wie z.B. bei KT, dann ist keine Schnittstelle vorhanden, z.B. wenn Meldedienste bedient werden müssen, oder es mangelt es an der Integration von Dokumenten (Urteile, Beschlüsse, Bilder, Videos), wie im Falle der Hooligans.Oder in wenige Fällen gibt es tatsächlich eine Lösung, die jedoch mehrere hunderttausend Euro kostet, so dass die Anschaffung aus haushalterischen Gründen nicht (in allen Ländern) in Frage kommt.

Für die betroffenen Anwender bot sich damit folgende Situation:
Es gibt noch eine uralte Anwendung, die vor Jahren mal auf der Basis von MS-Access geschrieben wurde. Deren Hardwarebasis ist zwar inzwischen völlig veraltet, wird jedoch mit Tricks und Kniffen am Leben erhalten wird. Sonst bricht das entsprechende Fachsystem schlichtweg zusammen.
Engagierte Kollegen mit gewissen technischen Kenntnissen haben sich daran gemacht, ein fachlich meist sehr gutes Werkzeug zu erstellen. Schade nur, dass dieses Werkzeug keine Schnittstellen zu den sonst in der Polizei verwendeten Informationssystemen hat – und solche „Formalien“, wie Verfahrensverzeichnis oder Errichtungsanordnung nicht immer bzw. nicht aktuell vorhanden sind.
Klagen über Jahre der betroffenen Anwender und ihrer Leiter führen dazu, dass der Antrag auf Beschaffung bzw. Entwicklung eines entsprechenden Werkzeugs gestellt und beim zuständigen Zentraldienst bzw. Ministerium eingereicht wird. Erste Kostenschätzungen ergeben dann i.d.R., dass Individualentwickungen sehr viel Geld kosten, dass auch andere Fachanwendungsgruppen noch berücksichtigt werden müssen und der Antrag, zumindest in diesem und dem nächsten Haushaltsjahr nicht genehmigt werden kann. Erneut: Pech für die betroffenen Anwender!

Das Konzept von POLYS und seinen Fachanwendungen wurde entwickelt, um dieses Dilemma zu beenden:
Eine Fachanwendung ist ein Werkzeug zur Bearbeitung solcher fachlicher Anforderungen, wie z.B. der Sachbearbeitung von Straftaten im Staatsschutz und den entsprechenden Meldungen (an das Landeskriminalamt).
Alle POLYS-Fachanwendungen haben eine übersichtliche, formularorientierte Bedienoberfläche zur Erfassung bzw. Suche von Informationen und zeigen in einem Baum Übersichten, wie z.B. den Inhalt des gerade bearbeiteten Verfahrens o.ä. Mehrjährige Erfahrungen mit den Fachanwendungen in ganz unterschiedlichen Anwendungsbereichen besagen, dass die POLYS-Oberfläche sehr einfach und nahezu intuitiv zu bedienen ist (Kurzeinweisungen von 3-4 Stunden sind für einfache Fachanwendungen die Regel). Demzufolge ist auch der Ausbildungsaufwand, jedenfalls für die Bedienung der Fachanwendung selbst, sehr gering.
Die Fachanwendungen sind keine isolierten, allein stehenden Softwarewerkzeuge, sondern vollständig integriert in das POLYGON-Informationssystem. Das bedeutet, dass jede Information, die in einer Fachanwendung erfasst bzw. bearbeitet wird, in die POLYGON-Datenbank geschrieben ist.
Diese Informationen stehen ferner für die grafische Auswertung und Analyse mit PIOS zur Verfügung. Das bedeutet z.B. dass Hinweise in einem BAO-Lagefall von entsprechend angelernten Sachbearbeitern mit der BAO-Hinweiserfassung aufgenommen werden können und nach elektronischer Weiterleitung an den Unterabschnitt Hinweisbewertung von den Beamten dort auch grafisch analysiert werden können: Vorhandene Zusammenhänge werden auf diese Weise mit Sicherheit erkannt und aufgezeigt, ohne dass vorher Suchen oder Aufbereitungen erfolgen: Denn in einem solchen Fall ist doch meist noch gar nicht bekannt, wonach gesucht werden soll!
Somit bleibt die Frage nach den Kosten: Die belaufen sich für die Nutzungsrechte für eine Fachanwendung in einem Bundesland (o.ä.) auf einmalige Investitions-, Installations-, sowie initiale Ausbildungskosten (für die Ausbildungsreferenten), die den Kosten eines Mittelklassewagens entsprechen.

Hinter den Fachanwendungen steckt ein modernes Entwicklungskonzept, das den Einsatz von Softwareentwicklern ebenso überflüssig macht, wie es die dabei entstehenden Verständnisprobleme zwischen Anwender und Techniker minimiert. Die Fachanwendungen sind Definitionen für das Aussehen, den Inhalt und die Funktionsweise von Bildschirmformularen und Bäumen, die im POLYS-Repository am POLYGON-Server hinterlegt werden.
Die Ausführung einer solchen Fachanwendung, so dass der Anwender tatsächlich damit arbeiten kann, ist dann Sache des POLYS-Datenbankbrowsers. Er wird so bezeichnet, weil er genauso arbeitet, wie ein Browser im Internet: Dieser besucht eine bestimmte Webseite, die in der Adresszeile eingegeben wird, liest und interpretiert den (HTML-)Code auf der entsprechenden Seite und zeigt den Inhalt entsprechend an. Genauso liest und interpretiert der POLYS-Datenbankbrowser eine Fachanwendung, deren „Quellcode“ am Server gespeichert ist, zeigt die entsprechenden Bildschirmformulare und -bäume und stellt die definierten Funktionen zur Verfügung. Solche Funktionen sind z.B:
das Erstellen eines Spurensicherungsberichts(dokuments) aus den gerade erfassten Spuren und Zusatzinformationen,
die Weiterleitung der Informationen zu einer mit POLYS-PMK-erfassten PMK-Meldung im POLYGON-System an das Landeskriminalamt,
die Erstellung eines Strafanzeige(dokuments) oder einer Zeugenvernehmung u.v.m. aus den relevanten Informationen.
Und die Erstellung solcher Fachanwendungen bzw. deren Pflege und Weiterentwicklung kann selbstredend auch von entsprechend qualifzierten Mitarbeitern des Kunden bzw. Systembetreibers übernommen werden.

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