Die Polygon-Software

POLYGON für den Datenbank-Server

Im Zentrum jedes Polygon-Systems steht ein Datenbankserver mit einer Datenbank, auf der vor Inbetriebnahme das charakteristische Polygon-Datenmodell eingerichtet wird. Auf dieser Datenbank werden sämtliche Informationen und Dokumente gespeichert.

Das Polygon-Datenmodell

Das Polygon-Datenmodell umfasst den Satz an Tabellen, die nach dem im Polygon-Patent beschriebenen Verfahren aufgebaut und eingerichtet sind. Dieses Datenmodell wird auch als „generisches Datenmodell“ bezeichnet. Seine wesentliche Eigenschaft ist, dass

  • Informationsobjekte von beliebiger Bedeutung darin gespeichert werden können
  • jedes dieser Informationsobjekte mit beliebigen und beliebig vielen identifizierenden oder beschreibenden Merkmalen versehen werden kann,
  • jedes Informationsobjekt mit jedem anderen Informationsobjekt einmal oder mehrfach in Beziehung gesetzt werden kann und
  • zu jedem Informationsobjekt beliebige Textdokumente oder mit Word-, Exel-, PDF-, mit Grafik- oder Multimedia-Programmen erstellte Dateien als Dokumente hinzugefügt werden können.

Dafür muss das Polygon-Datenmodell nicht einsatzspezifisch verändert werden: Es ist immer das Gleiche, ganz egal, für welchen Einsatzzweck eine Datenbank eingerichtet wird oder welche Informationen darin gespeichert werden sollen.

Einheitliches Informationsmodell

Zugegeben: Ein sperriges Wort. Einfacher ausgedrückt, ist ein „Informationsmodell“ (in der Datenbanken-Welt) eine Vereinbarung darüber,

  • welche Objekttypen (Personen, Firmen, Organisationen, Adressen, TK-Anschlüsse, Fahrzeuge, Waffen usw.) das System kennt und
  • welche Merkmale verwendet werden, um ein Objekt von jedem dieser Typen anzulegen. Merkmale für eine Person sind z.B. der Vorname, Familienname, und Geburtsdatum und Geburtsort.

Das Informationsmodell ergänzt das Polygon-Datenmodell: Es besteht aus wenigen Tabellen, in denen definiert wird, von welcher „Art“ die Information sein kann, die im jeweils konkreten Informationssystem genutzt werden kann. Dazu gehört die Festlegung der Objekttypen (zum Beispiel Personen, Adressen, Straftaten, Sachen usw. in einem polizeilichen Informationssystem bzw. Buchtitel, Themen, Schlagworte, Autoren, Verlage in einem Buch-Dokumentationssystem). Zu jedem einzelnen Objekttyp können Merkmalsbedeutungen festgelegt werden. Sie besagen z.B. für eine Person, dass zu einem Personen-Objekt Merkmale zur Eingabe eines Familiennamens, Vornamens, Geburtsdatums, Geburtsorts, usw. vorgesehen sind oder zu einem Buchtitel Der ausführliche Titel, der Kurztitel, die ISBN, Ausgabe, Erscheinungsjahr usw.). Ausführliche und in der Praxis bewährte Informationsmodelle werden von Polygon geliefert. Allerdings kann auch jeder Betreiber eines Polygon-Informationssystems sein eigenes Informationsmodell definieren und zum Einsatz bringen. Das Informationsmodell kann auch im laufenden Betrieb, wenn schon Informationen im System vorhanden sind, modifiziert und erweitert werden.

Der Polygon-Server

Für zentrale Aufgaben des Information Management ist der Polygon-Server verantwortlich: Das sind Programme, die auf dem Datenbankserver ablaufen und zuständig sind für Aufgaben, wie Datenschutz, Zugriffskontrolle, Protokollierung von System- und Nutzeraktivitäten, sowie für die Einhaltung wichtiger Systemstandards, wie die Überwachung von Lösch- und Archivierungsfristen oder Beachtung des Besitzerprinzips usw.

Polygon-Anwendungssoftware

Die Polygon-Anwendungsprogramme werden am PC des Nutzers eingesetzt und sind zuständig für die Zusammenarbeit und Verständigung zwischen Mensch und Polygon-Datenbank. Da es dafür nicht „die eine, ideale“ Form gibt, bietet Polygon drei generell einsetzbare Anwendungsprogramme an:

Der Polys-Datenbankbrowser

Den Polys-Datenbankbrowser Polys wurde gemacht für die Anwender, die Informationen „strukturiert“ in Formularen und Bäumen erfassen bzw. bearbeiten möchten. Diese Programmoberfläche spricht die Mehr¬zahl der Anwender in Polizeibehörden an: Für sie bietet Polys eine Oberfläche, die Informationsgruppen in aufklappbaren Bäumen anordnet und Formulare anbietet, die an einem Baumknoten „hängen“ und von dort aus durch Mausklick geöffnet werden können. Im Formular sind dann die jeweiligen Details zu sehen.

Polys arbeitet ganz ähnlich wie ein Browser im Internet. Auf dem PC selbst ist nur ein sehr kleines Programm nötig (ähnlich wie der Internet-Explorer oder Firefox), das die Polys-Fachanwendungen interpretiert und steuert. Diese Fachanwendungen enthalten Definitionen, welche Bildschirmmasken bzw. Bäume sich in einer bestimmten Fachanwendung zeigen sollen und welche Funktionen dem Nutzer zur Verfügung stehen. Sie sind auf dem Polygon-Server gespeichert und werden dort von Polys „gelesen“ und ausgeführt (ähnlich, wie ja auch diese Webseite, die Sie gerade betrachten, auf unserem Webserver hinterlegt ist und Ihr Browser sie von dort lediglich liest und die gewünschte Anzeige interpretiert).

Der grafische Editor und Werkzeug für die Strukturanalyse: PIOS

Der grafische Editor PIOS kommt zum Einsatz, wenn es um das berühmte Bild geht, das mehr sagt als tausend Worte.: Mit PIOS kann man Informationen eingeben, indem man sie „zeichnet“. Jedes Objekt wird dargestellt durch ein kleines Symbol, von denen jedes einzelne einen bestimmten Objekttyp repräsentiert: Es gibt also Symbole für Personen(objekte), für Buchtitel(objekte), für Fahrzeug(objekte), für Adressen(objekte) usw. Die Symbole werden gemeinsam mit den Objekttypen im Polygon-Informationsmodell festgelegt.
Unter dem Symbol steht für jedes einzelne Objekt sein Name.
Um zwei Objekte miteinander in Beziehung zu setzen, „zeichnet“ man in PIOS einen Pfeil vom einen zum anderen Symbol. Auf diesen Pfeil schreibt man eine Aussage über die Beziehung, z.B. Person A ist Vater von Person B. Pfeile werden verwendet, um die Richtung jeder Beziehung darzustellen: Denn es macht ja durchaus einen Unterschied ob Person A der Vater ist von Person B (und demzufolge Person B Kind von Person A. Daraus ergibt sich auch, dass zwischen zwei Objekten Beziehungen in beiden Richtungen vorhanden sein können. Auch die Anzahl der Beziehungen zwischen zwei Objekten ist nicht beschränkt. Die grafische Eingabe von Informationen mit PIOS ist wichtig, wenn entweder keine spezifische Fachanwendung für Polys vorhanden ist oder zusätzlich zu den Informationen, die mit Polys erfasst wurden, weitere Beziehungen ergänzt werden sollen. Denn die Informationen, die mit Polys und seinen Fachanwendungen erfasst wurden, stehen natürlich sofort nach dem Speichern auch für die grafische Darstellung mit PIOS zur Verfügung.

Seit Polys vor einigen Jahren eingeführt wurde, wird die grafische Eingabe von Informationen mit PIOS nur noch in Einzelfällen verwendet. Der größte Nutzen von PIOS bestand jedoch schon immer in der automatischen Strukturanalyse und -visualisierung: Ausgehend von einem oder mehreren Objekten zeigt PIOS automatisch die sonstigen Objekte auf, die in der Datenbank mit den Ausgangsobjekten in Beziehung stehen und zwar automatisch, d.h. ohne dass der Nutzer dazu etwas tun oder „fragen müßte“. PIOS ist somit der Garant dafür, dass an sich vorhandene Informationen nicht übersehen werden kann.

Die Polygon-Tools

Die Polygon-Tools sind Werkzeuge für die Hand des „Power-Anwenders“. Sie bieten ihm komfortable Möglichkeiten für den Massen-Import (oder -Export) von Informationen in das Polygon-System oder ermöglichen die Zusammenführung von Informationen aus unterschiedlichen Systemen (z. B. behörden¬übergreifend), ohne dass es dazu zeit- und kostenaufwändigen Programmieraufwands bedarf. Und nicht zuletzt gehören zu den Tools die Werkzeuge, die ein Anwenderbetreuer braucht, um Kennungen anzulegen und zu verwalten oder den Datenbestand qualifiziert zu pflegen.

Fachanwendungen für den Polys-Datenbankbrowser

Fachanwendungen gehören zu Polys, wie der Bohrvorsatz zur Bohrmaschine. Denn die Fachanwendungen definieren die Bildschirmformulare bzw. Bäume zur Verfügung, die ein bestimmter Fachbereich der Kriminalpolizei für seine Arbeit braucht. Der Ansatz, unterschiedliche Fachanwendungen für unterschiedliche fachliche Anforderungen anzubieten, ist bei manchen Entscheidern nicht sonderlich populär. Jeder Praktiker weiß allerdings, dass es nun einmal fachliche Besonderheiten gibt, z.B. im Staatsschutz (man denke an die Erfassungsstruktur für PMK-Meldungen), oder im Rockerbereich (man denke an die charakteristische Organisationsstruktur von MCs) oder an die besondere Arbeitweise von „Mordkommissionen“. Die Polys-Fachanwendungen sorgen dafür, dass diese fachlichen Bedürfnisse für jeden Fachbereich so realisiert sind, dass fachlich die besten Arbeitsergebnisse möglich sind.

Wie gesagt, Entscheider lieben diesen Ansatz nicht sonderlich. Sie bevorzugen IT-Universalwerkzeuge, die nicht große Rücksicht nehmen auf fachliche Anforderungen, sodass mit einem Werkzeuge alle Anwendungsbereiche bedient werden. Dahinter steckt anscheinend die Ansicht, dass Fachanwendungen höheren Entwicklungs- und Pflegeaufwand verursachen und die ganze Sache damit teurer wird.

Doch das ist bei den Polys-Fachanwendungen gerade nicht der Fall: Denn zur Erstellung einer Fachanwendung braucht man gar keinen Programmierer: Jeder technische Betreuer könnte nach kurzer Ausbildung selbst Fachanwendungen erstellen (oder die bestehenden weiterentwickeln und pflegen). Dieser Sachverhalt hat dem Land Brandenburg in der Vergangenheit viel Geld gespart. Weil nämlich der Aufwand zur Erstellung einer neuen Fachanwendung sehr überschaubar ist, konnte Brandenburg landesweite Lizenzen, z.B. für die Fachanwendung OK Rocker, für einen Bruchteil des Lizenzpreises einkaufen, der für konventionell programmierte sonst zu bezahlen ist.