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Über diese Webseite und den Polygon-Blog

1. Mai 2013 | Von | Kategorie: ÜBER POLYGON

Sind Sie auch einer dieser kritischen Bürgern, die überzeugt davon sind, dass Polizei über super-leistungsfähige IT-Systeme verfügt? Das weiß man schließlich aus vielen einschlägigen Artikeln von gut informierten Journalisten, in denen es um Rasterfahndung und Data Mining, TKÜ, IMSI-Catcher und Handyortung geht.

Oder gehören Sie zur knappen Viertelmillion Menschen in diesem Lande, die für die Polizei arbeiten?! Dann sind Sie vor allem genervt von IT-Systemen, die Ihnen der Staat zur Verfügung stellt: Fachliche Unterstützung, vor allem für Spezialisten in der Kriminalpolizei, ist weitgehend Fehlanzeige. Einmalerfassung und -abfrage steht seit Jahrzehnten als Anforderung auf dem Papier. Die tägliche Praxis verlangt dagegen, dass ein- und dieselbe Information mehrfach händisch eingetippt bzw abgefragt werden muss. Denn Schnittstellen, also Übergänge zwischen den verschiedenen polizeilichen Informationssystemen existieren so gut wie gar nicht. Und so fühlen Sie sich dann, wie viele andere Polizisten in diesem Lande, vor allem gestresst von ständig mehr Arbeit und sind maßlos frustriert, weil Ihre fachlichen Bedürfnisse nicht respektiert werden.

Oder sind Sie Politiker – womöglich mit Schwerpunkt „Innere Sicherheit“?! Dann stellen Sie sich vermutlich inzwischen so manche Frage: Warum wurden eigentlich vorhandene Zusammenhänge zwischen zehn Morden nicht erkannt? Kann so etwas heute wieder passieren? Was bringt die „Anti-Terror-Datei“, die seit mehr als fünf Jahren betrieben wird? Und die das Bundesverfassungsgericht im April 2013 in wesentlichen Funktionen für „unvereinbar“ mit dem Grundgesetz erklärt hat? Warum wurde erst im letzten Jahr eine Datenbank über Rechtsextremisten aufgelegt? Gab es vorher keine? Und wenn nicht: Warum nicht? Wie viele Terror-Abwehrzentren, Gemeinsame Dateien, Verbunddateien, … Informations-, Analyse- und Ermittlungsverbünde braucht es eigentlich noch und vor allem: Was nützen die?

Was bringt diese Inselbildung in der polizeilichen IT?

Es stellt sich die Frage, was diese Inselbildung der polizeilichen IT-Systeme bringen soll – außer dass sie zig Millionen Euro verschlingen und ganze Heerscharen von Mitarbeiten in allen Bundes- und Landesbehörden beschäftigen. Sollte etwa darin der eigentliche Nutzen liegen?!

  • Haben wir als Gesellschaft durch diese Aktionismen weniger Terror(gefahr)?!
  • Sind die Neonazis in Zossen, Spremberg oder Aachen jetzt weniger gewalttätig?
  • Sind italienische Lokale im Allgäu oder vietnamesische in Wittenberg nun besser geschützt vor Schutzgelderpressung?
  • Kennt man die Strukturen der Gangs (z.B. rund um Berlin), die Fahrzeuge in Einzelteile zerlegen und einen schwunghaften Handel mit Ersatzteilen via Internethandel aufziehen?!

Nichts von alledem! Trotz dreistelliger Millionenbeträge, die in den letzten Jahren für die Informationstechnik der Sicherheitsbehörden ausgegeben wurden, gibt es keine nennenswerte Erfolgsmeldungen zu irgendeiner dieser Fragen.

Polizeiliche Informationssysteme aus der Sicht von Bürgern und Anwälten

Dagegen löst das Stichwort „Polizei und IT“ ungute Empfindungen aus bei den meisten, die mal mit Polizei zu tun bekamen, sei es als Geschädigter oder Tatverdächtiger, Beschuldigter, Angehöriger, Zeuge oder Anwalt.
Sie fragen sich, was die Polizei eigentlich macht mit den Informationen in den vielen Systemen? An wen werden welche Informationen weitergegeben? Wer kontrolliert, ob gesetzliche Vorgaben eingehalten werden? Wie lange bleibt eine Information über mich gespeichert? Was kann ich tun, um zu erfahren, was über mich gespeichert ist? Wer korrigiert, wenn offensichtlich falsche Informationen gespeichert sind?! Und warum sollen wir – Bürger und Unternehmen – eigentlich immer noch mehr Informationen preisgeben und immer weitere Zugeständnisse machen bei der Einschränkung unserer Grundrechte, weil es angeblich unverzichtbar ist im „Kampf gegen den Terror“?!

Polygon – Entwickler polizeilicher Informationstechnik

Auch wir gehören zu einem gewissen Grad zum „System“ der polizeilichen IT. Denn wir entwickeln seit mehr als zwanzig Jahren ein Informationssystem namens Polygon, das auch von Polizeibehörden genutzt wird. Stellen Sie sich dabei nicht ein kleines Programm für den einzelnen PC vor, sondern Informationssysteme mit einer zentralen Datenbank und hunderten von PCs, die darauf zugreifen können. Polygon-Informationssysteme wurden für die Mitarbeiter der Kriminalpolizei beschafft als „landesweite“ Systeme, so z.B. in Brandenburg, der Slowakei oder in Ungarn. Bei seiner Einführung, Mitte der 90iger Jahre, standen Rauschgiftkriminalität und illegaler Waffenhandel, Korruption und Organisierte Kriminalität auf der politischen Agenda. Für die Ermittlung, Analyse und Auswertung in solchen Kriminalitätsbereichen hat Polygon besondere Stärken: Das automatische Aufzeigen von verborgenen Zusammenhängen und Sichtbar-Machen von kriminellen Strukturen.

Neue Prioritäten der Politik der Inneren Sicherheit

Inzwischen hat sich das Konzept der Politik der Inneren Sicherheit komplett geändert. Die Anschläge vom 11. September 2001 lieferten dafür eine (willkommene?) Begründung. Das Erkennen von Zusammenhängen oder Strukturen steht nicht länger im Vordergrund [,worüber man sich nicht genug wundern kann …] Heute beflügelt dagegen der „digitale Tsunami“ die Phantasie vieler Politiker:

„Jedes Objekt, das ein Mensch benutzt, jede Transaktion, die er macht und beinahe jeder Geschäftsgang oder jede Reise, die er unternimmt, erzeugt einen detaillierten digitalen Datensatz Dies generiert einen wahren Schatz an Information für öffentliche Sicherheitsorganisationen und eröffnet gigantische Möglichkeiten zur Steigerung der Effektivität und Produktivität der öffentlichen Sicherheit.“

Dieser Satz stammt aus einem Dokument der „Future Group“, einem Beraterpanel des Rats der Europäischen Union, welches zur Grundlage des aktuellen Rahmenprogramms der EU im Bereich der Inneren Sicherheit wurde.

Diese politische Neuausrichtung war und ist für uns nicht zu übersehen. Nicht nur wegen der besonderen ‚Wertschätzung‘ und ‚Förderung‘ mancher Bundesbehörde, der sich Polygon und der ich mich erfreuen durfte. Auch über den direkten, persönlichen Bezug hinaus, ist es an der Zeit, über solch grundsätzliche Fragen ins Gespräch zu kommen, weil sie jeden einzelnen Bürger und jedes Unternehmen genauso betreffen, wie sie einschlägig tätige Journalisten und Politiker berühren. Zumal die aktuelle Beschäftigung mit polizeilicher IT, sofern sie überhaupt existiert, geprägt ist von einer befremdlichen Fehleinschätzung und Fehlinformation über Funktionen und tatsächliche Leistungsmerkmale der aktuell eingesetzten polizeilichen Informationssysteme. Auf diesem Gebiet aufzuräumen mit falschen Annahmen und Meinungen, dazu können wir aufgrund unserer Fachkenntnis einiges beitragen.

Die Wege trennen sich …

Mehr als zwei Jahre, nachdem dieser Text entstanden ist, trennen sich die Wege:
WeggabelungIn der Informationstechnik spricht man von ‚Forking‘ / Gabelung, wenn sich eine Entwicklung teilt und in unterschiedliche Richtungen weiterentwickelt. Das geschieht gerade mit dem Polygon-Blog:

Auf der Seite POLYGON.DE finden sich weiterhin alle Artikel, die Polygon direkt betreffen. Und es wird in naher Zukunft wieder mehr über die Polygon-Produkte und -Projekte zu finden sein, insbesondere über unsere aktuellen Neu- und Weiterentwicklungen.

Der redaktionelle Teil des Polygon-Blogs wird gleich auf zwei Online-Plattformen fortgeführt:

police-it header

 

Auf der Webseite POLICE-IT.ORG finden Sie News, Hintergründe und Analysen über Polizei, ihre Informationen und ihre Informationssysteme.

cives_header

 

Der Name ‚Cives‘ – das lateinische Wort für „die Bürger“ – ist Programm: Denn ein ‚Bürger‘ ist ein Mensch im Verhältnis zum Staat und seinen Behörden. Und demzufolge geht es auf cives.de um Themen rund um Bürger, das Recht und den Staat.

Cives Redaktionsbüro

Herausgeber der beiden Plattformen ist die Cives Redaktionsbüro GmbH.
Cives beschäftigt sich vor allem mit den Informationen, die Behörden über Bürger sammeln, auswerten und nutzen.
Und mit einer Fehlentwicklung mit gravierenden Folgen für immer mehr Menschen: Denn der Mensch in diesem Staat ist nicht, was er ist, sondern was Behörden über ihn gespeichert haben. Und das ist häufig nicht aktuell bzw. richtig und vollständig.

  • Es gibt erhebliche Defizite im Umgang der Behörden mit den ihnen anvertrauten Informationen.
  • Auch im Projektmanagement läuft es nicht rund: Kaum ein Großprojekt im Bund oder in den Ländern wird kosten- und termingerecht zum Abschluss gebracht und leistet das, was ursprünglich beabsichtigt war.
  • Bei der Beschaffung von Informationssystemen wird das Vergaberecht möglichst kreativ umgangen. Jährlich werden mehrere Milliarden Euro für IT-Projekte der öffentlichen Hand ausgegeben. Jedoch weiß niemand so genau, in welchen Taschen dieses Geld eigentlich landet und wofür so viel Geld ausgegeben wird.
  • Und weder die Rechnungshöfe, noch die Datenschutzbehörden sind in der Lage zu umfassenden Kontrollen, geschweige denn zu einer deutlichen Verbesserung der Situation.

Cives ist ein Redaktionsbüro, das recherchiert, produziert und veröffentlicht über Behörden und deren Informationssysteme. Cives betreibt Online-Plattformen, veröffentlicht zu fachspezifischen Themen, stellt redaktionelle Beiträge zu solchen Themen für andere Redaktionen zur Verfügung und informiert und berät politische Entscheider.

Wer steckt dahinter?

(C) Privat

(C) Foto: Cives Redaktionsbüro GmbH

Der ‚Kopf‘ hinter Cives ist Annette Brückner. Sie hat – nach langjähriger Tätigkeit im IT-Bereich ihren ursprünglichen Ausbildungsberuf wieder aufgenommen und ist die verantwortliche Herausgeberin und Autorin vieler Artikel auf den Cives-Plattformen.

Sie war Mit-Gründerin des Familienunternehmens und über viele Jahre Projektleiterin beim Einsatz von Informationssystemen für große Behörden im In- und Ausland.

Und hat die Konzeption für das „generische Datenmodell“ entwickelt und zum Patent gemacht, das dann in Polygon praktisch umgesetzt wurde. Dies verschaffte ihr die „besondere Aufmerksamkeit“ des Bundesnachrichtendiensts, über die auf dieser Webseite bereits berichtet wurde.

Vor der Selbstständigkeit im gemeinsamen Unternehmen mit ihrem Ehemann, war Annette Brückner, nach kaufmännischer Ausbildung und journalistischem Grundstudium mehrere Jahre als technischer Redakteur für Datenverarbeitung für die Siemens AG tätig.

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